Physik im Spannungsfeld zwischen Forschung und Verantwortung

Physikleistungskurs 12 des PWG besucht Hamburg

WITTLICH. Wer ein Wochenende in der Hansestadt Hamburg nur mit Schifffahrt, Großstadtflair und Vergnügung assoziiert, weiß nicht, welche weltweit führenden physikalisch-technischen Einrichtungen es dort gibt. 16 Schülerinnen und Schüler des Physikleistungskurses MSS12 des Peter-Wust-Gymnasiums erlebten im Rahmen einer Studienfahrt die Metropole aus dieser Sicht.

Das Deutsche Elektronen-Synchrotron DESY in der Helmholtz-Gemeinschaft ist ein Forschungszentrum für naturwissenschaftliche Grundlagenforschung. Wissenschaftler des Instituts führten die angehenden Jungphysiker in dieses Forschungsgebiet ein. Unter einem Synchrotron versteht man einen Beschleuniger, bei dem Teilchen in mehreren Durchläufen mit Hilfe von Führungsmagneten fast Lichtgeschwindigkeit erreichen. Als "Geschosse" werden sie auf andere Teilchen gelenkt. Auf diese Weise bestimmen Physiker deren Strukturen und die Wechselwirkung untereinander.
Am zweiten Tag der Exkursion besuchten die Gruppe mit ihren Lehrern Heinz-Arnold Schneider und Alice Lenz-Hademer die technische Universität Hamburg-Harburg. Im dortigen DLR-School-Lab hatten Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, eigenhändig wissenschaftliche Versuche durchzuführen. Die Experimente zum Thema "Fliegen" knüpften an die vorangegangenen Schulprojekttage "Segelfliegen" an und ermöglichten den Jugendlichen weitere Einblicke in die praktische Anwendung der Physik.
Elektrotechnische Abläufe und die maßstabgetreue Wiedergabe realer Landschaften stehen im Mittelpunkt der weltgrößten Miniatureisenbahn "Miniaturwunderland" und waren ein weiterer Programmpunkt der Studienfahrt. Stadtrundgang, Hafenrundfahrt und Musicalbesuch vermittelten vergnügte Eindrücke, der Besuch der KZ-Gedenkstätte Neuengamme hinterließ nachdenkliche Schüler. Geführt vom Enkel eines Zeitzeugen erhielt die Gruppe einen tiefen Einblick in das Überleben und Sterben im KZ. In Neuengamme waren etwa 100.000 Menschen inhaftiert, von denen vermutlich 42.900 ermordet wurden. Um an diesen Schrecken der Vergangenheit zu erinnern, ist Neuengamme seit 1981 eine Gedenkstätte mit der ergreifenden Ausstellung "Zeitspuren: Das Konzentrationslager Neuengamme 1938-1945 und seine Nachgeschichte". So lernten die Jugendlichen, dass in dem KZ zur NS-Zeit u. a. Experimente an Menschen durchgeführt wurden. "Diese Gedenkstätte steht stellvertretend für menschenunwürdige Forschung und die zerstörerische Gesinnung der Nationalsozialisten. Gelernt haben wir hier, dass es wichtig ist, sich mit der Geschichte unseres Landes zu beschäftigen, damit wir Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen und Verantwortung auch für unser eigenes wissenschaftliches Handeln übernehmen.", lautete das Schülerfazit in der Reflexion der Studienfahrt.

Kathrin Barthen, Charlotte Capitain