Der Lügner

Lange haben sie geübt, die Schüler von Kö-Colores, der Theater-Gruppe des Peter-Wust-Gymnasiums. Jetzt feierten sie Premiere auf der Bühne im Wittlicher Kolpinghaus. Zwei weitere Vorstellungen sind für das kommenden Wochenende geplant.

Aufwendige Kostüme und Spielfreude bei den Darstellern: Die Theateraufführung im Kolpinhaus kam gut bei den Zuschauern an. 

"Wenn ich noch einmal lüge, soll mich der Blitz treffen..." Gott sei Dank ging diese unbedarfte Äußerung des notorischen Lügners Lelio, überzeugend gespielt von Sabine Heinen, nicht in Erfüllung. Stattdessen erstarrt sie am Ende gemeinsam mit den spanischen Edelleuten (Adrian van Kan und Kristina Bittner). "Oh, wir haben ja diesmal ein offenes Ende, das ist ja cool!" bemerkte Souffleuse Franziska Loos kurz vor der Premiere des neuen Theaterstückes von Kö-Colores, der Theatergruppe des PWG.

Amüsant kommentiert ein "stummer Mond" (Regisseur Elmar Köcher) mimisch den Beginn: zwei Musikanten (Tamara Ritz, Tamara Köcher), ein Ständchen (Adrian van Kan) und den ausdrucksvollen Tanz von Ines Vockensperger. Kaum in Venedig angekommen, macht Lelio erfolgreich zwei liebreizenden Schwestern, überzeugend gespielt von Alexandra Dornhoff und Tamara Weber, gleichzeitig den Hof. Schamlos nutzt Lelio die Aufmerksamkeiten des schüchternen Florindo (Nicole Heber), einem vielversprechenden Neuzugang der AG, um auf dessen Kosten mit seinem Lügengespinst schließlich die Heiratszusage von Rosaura zu erringen. 

Doch er hat die Rechnung ohne den Postboten (Hannah Lüders) gemacht, der den Vätern brisante Briefe überreicht, die Lelios Lügen offenbaren. Die Väter (Olga Sjasina, Anne Welsch) schlurfen mit mühsam gebeugtem Rücken und Stock über die Bühne. Lelio steht sein Diener Arlecchino (Anna Weber) zur Seite, der mit turbulentem Spiel und Späßen sich über seinen Herrn und dessen prekäre Situation lustig macht, selbst sein Glück aber bei der reizenden Zofe Colombina (Theresa Teusch) mit "geistreichen Erfindungen" versucht. Ottavio (Sarah Gascoign), ein Verehrer der Schwester Rosauras, der die Lügen von Lelio aufdeckt, fordert ihn zu einem Duell, die in einer lebensnahen turbulenten Fechtszene von Felix Köcher und David Praum endet.

Schließlich kann der Freund Brighella (Theresa Burkhard) Florindo überzeugen, im Angesicht Lelios vor beiden Vätern seine Liebe zu Rosaura zu gestehen. Am Ende werden Lelios Lügengeschichten entlarvt, und sogar Arlecchino verlässt ihn mit Colombina. Mit dem Satz, "Das ist doch zum Lachen, nicht wahr!", versucht Lelio noch einmal die Situation zu retten, doch vergebens. Der Lügner ist ein Opfer seiner eigenen Erfindungen.

Ein lang anhaltender und intensiver Schlußapplaus krönte den Abschluss einer langen Probenzeit.

Am Ende lügt ein sichtlich erleichterter, aber erschöpfter Regisseur nicht, wenn er das Publikum auffordert: "Nächstes Wochenende gibt es mit einer anderen Besetzung eine zweite Premiere."