Streitschlichtung

Streit ist Bestandteil des schulischen und außerschulischen Alltags. Oft verläuft er ohne Regeln und meist sehr Emotionsgeladen. Es wird beleidigt und man ignoriert sich. Allerdings wird selten durch einen Streit das bestehende Problem gelöst. Dies führt häufig zu einer Verschlechterung des Lernklimas und ist belastend für die Streitenden.

 

Genau hier setzt das Konzept am Peter-Wust-Gymnasium ein. Streitschlichtung am PWG ist eine präventive Maßnahme die den schulischen Alltag entlasten soll, bevor der Streit eskaliert und vielleicht sogar nicht mehr nur auf der verbalen Ebene ausgetragen wird.

Alle Schülerinnen und Schülern der Schulgemeinschaft sollen im Sinne einer fairen Streitkultur das Angebot der Streitschlichtung als Chance und nicht als Strafe sehen.

Die Streitschlichter/-innen am PWG, aus den Klassenstufen 9 und 10, werden in einem mehrwöchigen Kurs, sowie an zwei Intensivtagen speziell ausgebildet. Sie erlernen Grundlagen in der Mediation wie zum Beispiel, dass beide Parteien sich aussprechen lassen, sich nicht beleidigen, ein neutrales Verhalten gegenüber den Streitenden zu haben sowie die vertrauliche Behandlung des Gesprächs.

Die Streitschlichter/-innen geben den Streitenden einen sicheren Raum zur Problemlösung, nehmen so den Druck aus der Situation und verhindern eine weitere Eskalation. An der Lösung des eigentlichen Problems arbeiten alleine die Streitenden. Die Streitschlichter/-innen leiten nur durch den Prozess der Schlichtung und dokumentieren die erzielte Übereinkunft in einem Vertrag, den die Streitparteien per Unterschrift akzeptieren. Somit wird das Ergebnis noch viel wertvoller, denn die Lösung ist zwischen den Streitenden selber verhandelt und keine Lösung von außen, die ihnen jemand, wohl möglich sogar ein Erwachsener aufgezwungen oder nahegelegt hat.

Grenzen sind den Streitschlichtern allerdings da gesetzt, wo es nicht mehr um einen Streit geht, sondern gezielt Mobbing betrieben wird. In der Ausbildung werden sie daher bereits für die Thematik sensibilisiert und darauf hingewiesen, in solchen Fällen nicht selber zu versuchen zu Lösungen zu kommen, sondern den Fall an das Betreuerteam (Britta Paßmann, Eva Leuther und Alexander Kröll) zu übergeben. Diese können dann unter anderem mit einen No Blame Approach an dem bestehenden Problem arbeiten.

No Blame Approach, Mobbing: Hinschauen, Handeln.

Ohne Schuldzuweisung und Sanktion

Der No Blame Approach  (wörtlich "Ansatz ohne Schuldzuweisung"), der seinen Ursprung in England hat, ist eine wirksame Vorgehensweise, um Mobbing unter Schülerinnen und Schülern zeitnah und nachhaltig zu beenden. Die besondere Faszination des Ansatzes liegt darin, dass - trotz der schwerwiegenden Mobbing-Problematik - auf Schuldzuweisungen und Bestrafungen verzichtet wird.

 

Konsequente Lösungsorientierung

Der No Blame Approach ist eine  lösungsorientierte Vorgehensweise. In allen Schritten der Durchführung richtet sich der Blick darauf, konkrete Ideen zu entwickeln, die eine bessere Situation für den von Mobbing betroffenen Schüler herbeiführen. Fokussiert wird ausschließlich auf Lösungen, die dazu beitragen, das Mobbing zu stoppen.

 

Vertrauen in Kinder und Jugendliche

Der Ansatz vertraut auf die Ressourcen und Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen, wirksame Lösungen auch im Fall von Mobbing herbeizuführen. Die Praxis zeigt, dass dieses Vertrauen dankbar aufgenommen wird.

 

Akteure mit im Boot

Im Rahmen der Intervention mit dem No Blame Approach werden Schüler und Schülerinnen gewonnen, bei der Lösung des Mobbing mitzuhelfen.  Dabei liegt die besondere Herausforderung darin, die am Mobbing beteiligten Kinder und Jugendlichen so in den Lösungsprozess einzubinden, dass sie sich aktiv an der Beendigung des Mobbing beteiligen.

 

Hohe Wirksamkeit

Die guten Ergebnisse, die pädagogische Fachkräfte mit dieser Intervention erzielen, sind immer wieder neu überraschend. Die Quote bei der Auflösung von Mobbing liegt laut Evaluation von 2008 bei mehr als 85 Prozent.

Quelle: fairaend www.no-blame-approach.de

 

Am Peter-Wust-Gymnasium sind Britta Paßmann, Eva Leuther und Alexander Kröll ausgebildet und zertifiziert den No Blame Approach zusammen mit Schülern und Kollegen durchzuführen.

Die Schule ist Teil eines gesamtdeutschen Netzwerks von 297 Bildungseinrichtungen, die den No Blame Approach anwenden. In Rheinland-Pfalz besteht dieses Netzwerk aus 18 Einrichtungen.